Persönlicher Krankenhausbegleiter für klinische Services und Behandlungsunterstützung
Position und Verantwortlichkeiten
Als Usability Engineering Lead und Art Director verantwortete ich den gesamten nutzerzentrierten Entwicklungsprozess. Auf Basis der kontextuellen Studien des Instituts für Digitale Medizin der Universitätklinik Bonn orchestrierte ich die Übersetzung der Erkenntnisse in Produktstrategie, Anforderungen und Design - über ein 5-köpfiges Team aus adesso-Designern und UKB-Forscherinnen.
Dabei verdichteten wir über 900 unstrukturierte Anforderungen aus 7 klinisch heterogenen Fachkliniken in 32 Hauptaufgaben und gestalteten daraus 12 Flows mit über 200 Screens. In meiner Hand lagen die strategische Ausrichtung des Anforderungsprozesses, die Gestaltung der Patient-Journey-Architektur über 4 integrierte Systeme hinweg und die kreative Leitung vom ersten Wireframe bis zum WCAG-AA-konformen High-Fidelity-UI.
Der Prozess
Der Entwicklungsprozess folgte einem fünfstufigen Ansatz, der klinische Stakeholder-Perspektiven systematisch mit realen Patientenbedürfnissen abglich.
Schritt 1 Klinischen Kontext bestimmen
In einem 2-tägigen Workshop mit Stakeholdern des UKB wurden die klinischen und wirtschaftlichen Projektziele geklärt: Welche Probleme im Klinikalltag soll die App lösen? Welche Nutzergruppen sind relevant? Erste Annahmen über Patientenbedürfnisse wurden formuliert - als Hypothesen, die im Feld validiert werden sollten.
Schritt 2: Nutzungskontext analysieren
Die Annahmen wurden durch qualitative Feldforschung überprüft: 8 Fokusgruppendiskussionen mit medizinischem Fachpersonal identifizierten die konkreten Schwachstellen in den Behandlungsabläufen einzelner Kliniken. 2 Workshops und 4 Einzelinterviews mit Patient:innen - methodisch basierend auf User Story Mapping - erfassten die tatsächliche Patientenperspektive.
Schritt 3: Patient Journeys validieren
Die Forschungsergebnisse wurden als validierte Patient Journeys visualisiert — getrennt für ambulante und stationäre Behandlungspfade. Von der Warteliste über die Terminvereinbarung, den Klinikbesuch und die stationäre Aufnahme bis zur Entlassung und Nachsorge: Jeder Schritt wurde mit den konkreten Aufgaben und Fragen der Patient:innen im klinischen Alltag verknüpft.
Schritt 4: Kern- und Teilaufgaben definieren
Aus 277 erhobenen impliziten Bedürfnissen wurden 141 Anforderungen spezifiziert und in 48 Kernaufgaben gruppiert. Diese verdichteten wir weiter zu 32 Hauptaufgaben und 120 Teilaufgaben als Grundlage für Konzeption und Entwicklung. Parallel entstanden validierte Personas für drei Versorgungsszenarien: ambulant, teilstationär und stationär.
Ergebnisse der Analysephase waren folgende strategisch kritische Erkenntnisse:
Kliniken werden bei der Terminvereinbarung verwechselt: Psychiatrie oder Psychosomatik? Unsicherheit bei der Kliniksuche erzeugte administrativen Mehraufwand für das Personal und Verunsicherung bei Patient:innen.
Orientierungslosigkeit auf dem Campus: Alle Kliniken teilen dieselbe Adresse, es gibt keine zentrale Rezeption — Patient:innen und Angehörige wussten oft nicht, wohin sie gehen sollen.
Behandlungsvorbereitung findet ausschließlich vor Ort statt: Patient:innen erhielten vorab keine Informationen und hatten keinen digitalen Weg, Unterlagen mit ihrer Ärztin zu teilen.
Patient:innen sind auf Angehörige angewiesen: Schwere Einschränkungen erforderten, dass Angehörige administrative Aufgaben stellvertretend übernehmen können.
Patient:innen fühlen sich unzureichend informiert: Zeitdruck beim Personal führte dazu, dass Patient:innen und Angehörige Behandlungsinformationen als unzureichend empfanden.
Schritt 5: Von Anforderungen zu Lösungen
Die 5 Erkenntnisse wurden in nutzerzentrierte Systemanforderungen überführt und prägten direkt die Designentscheidungen: Eine diagnosebezogene Suchfunktion mit sichtbaren Sprechzeiten, integrierte Campus- und Indoor-Navigation, digitales Aufgabenmanagement mit Dokumenten-Upload, Familienprofile mit Übergabefunktion und strukturierte Klinik-Informationsseiten. Vier bestehende Systeme — Dedalus, condat, Arivo und CA — wurden dabei zu einer durchgängigen Patient Journey zusammengeführt, statt als isolierte Module zu existieren.
Home Dashboard

Terminverwaltung
Familienprofile

On-Campus Navigation
Aufgabenverwaltung
Details und Kennzahlen
Projektdauer
4 Monate
1 Monat Research & Analyse
3 Monate Konzept & Design
Geführtes Kreativteam
6 Designer:innen/Berater:innen
Einbezogene Fachkliniken
7
Spezifizierte Hauptanforderungen
32
aus 900 Bedürfnissen
Methodik
Anforderungsanalyse
Durchsicht von Rohtranskripten aus Patienteninterviews und Workshop-Notizen aus sechs Fachkliniken, um alle expliziten und impliziten Anforderungen zu identifizieren.
Konsolidierung der Schlüsselaufgaben
Zusammenführung und Priorisierung der Aufgaben über alle Gruppen hinweg, um 32 Kernaufgaben und 120 Unteraufgaben als Grundlage für das Design der „Mein UKB“-App zu definieren.
Kategorisierung der Nutzergruppen
Zuordnung aller extrahierten Anforderungen zu Nutzergruppen basierend auf den spezifischen Bedürfnissen innerhalb des Krankenhausökosystems.
Aufgabenbildung
Clustern zusammengehöriger Anforderungen innerhalb jeder Nutzergruppe zu nachvollziehbaren Aufgaben, die reale Nutzungsszenarien abbilden.
Software Stack
Figma
Confluence
als Quality Management System














